Manche Großeltern erzählen einen ganzen Nachmittag lang, ohne dass du nachfragen musst. Andere sagen, es gibt nichts Interessantes zu erzählen.
Auf eine große Frage wie „Erzähl mir von deinem Leben“ kommt oft eine kurze Antwort. Sie ist so groß, dass man nicht weiß, wo man anfangen soll. An eine bestimmte Küche, eine Reise, eine Schulfreundin oder den ersten Job erinnert man sich leichter.
Die Fragen unten holen genau solche Einzelheiten zurück. Du musst nicht alle 30 stellen. Such dir drei oder vier aus, die zu deiner Oma oder deinem Opa passen, und lass das Gespräch von dort aus weiterlaufen.
Wenn Oma oder Opa sagt, es gibt nichts Interessantes zu erzählen, liegt es vielleicht nicht an den Fragen. Deine Großeltern müssen nicht ihre ganze Lebensgeschichte erzählen zeigt einen anderen Weg: Gib ihnen eine Erinnerung, auf die sie antworten können, und sammle, woran sich der Rest der Familie erinnert.

Wie du fragst, zählt genauso viel wie die Frage selbst.
Eine Liste hilft dir bei der Vorbereitung. Wenn du sie aber von oben nach unten abfragst, fühlt es sich wie ein Interview an. Ein gutes Gespräch fängt meistens bei etwas Vertrautem an.
In den meisten Familien gibt es ein paar Geschichten, die immer wieder auftauchen. Vielleicht erzählt dein Opa jedes Mal, wie er an seinem ersten Arbeitstag den Zug verpasst hat. Vielleicht erzählt deine Oma allen, wie sie deinen Opa kennengelernt hat, und er besteht darauf, dass die Hälfte nicht stimmt.
Fang dort an.
Du könntest sagen:
„Du weißt doch, die Geschichte mit dem Zug? Was ist passiert, bevor du gemerkt hast, dass er weg war?“
Mit einer vertrauten Geschichte fällt ihnen der Anfang leicht. Wenn sie erst mal erzählen, kannst du nach den Menschen, Orten und Einzelheiten rundherum fragen.
Fang nicht mit der schwersten Zeit ihres Lebens an. Frag nach dem Essen in der Schule, nach Frisuren, Kinderspielen, dem ersten Lohn oder nach Nachbarn, an die sie sich erinnern.
Mit leichteren Fragen habt ihr beide Zeit, im Gespräch anzukommen. Persönlichere Themen kommen vielleicht von selbst. Wenn nicht, musst du nicht nachbohren.
Ein altes Foto gibt euch etwas Bestimmtes, das ihr euch zusammen anschauen könnt.
Frag, wer darauf ist, wo es aufgenommen wurde und was an dem Tag passiert ist. Es macht nichts, wenn sie das Jahr nicht mehr wissen. Die Vorhänge, die Kleidung, das Auto im Hintergrund oder die Person, die auf dem Bild fehlt, führen vielleicht zu etwas Spannenderem.
Eine Studie zum Erinnern mit Fotos hat gezeigt: Ältere Menschen hatten mehr Freude am Gespräch, wenn sie Fotos sahen, über die sie gern reden wollten. Dein eigenes Interesse am Foto zählt auch. Such dir Bilder aus, die dich neugierig machen, statt ein ganzes Album durchzublättern. Frontiers in Psychology
Vergleich diese zwei Fragen:
„Bist du gern zur Schule gegangen?“
„Wie lief ein ganz normaler Tag in deiner Schule ab?“
Auf die erste kann man mit Ja oder Nein antworten. Bei der zweiten haben sie Raum, die Lehrerin, das Klassenzimmer, den Schulweg und die anderen Kinder zu beschreiben.
Leitfäden für Zeitzeugengespräche empfehlen offene Fragen und danach einfache Bitten um mehr Einzelheiten. Oral History Association
Gute Nachfragen sind zum Beispiel:
Wer nach einer alten Erinnerung sucht, braucht Zeit.
Wenn Oma oder Opa eine Pause macht, wart ab, bevor du das Thema wechselst. Die Library of Congress rät, den Menschen Zeit zum Nachdenken und für Pausen zu geben, bevor die nächste Frage kommt. Library of Congress
Die Einzelheiten kommen oft erst nach der ersten Antwort.
Ein ganzes Leben auf einmal durchzugehen kann anstrengend sein. Fang mit 20 oder 30 Minuten an und schau, wie es ihnen geht.
Du kannst jederzeit an einem anderen Tag weitermachen. Ein Gespräch dreht sich vielleicht um die Kindheit. Ein anderes fängt mit Fotos an, mit der Arbeit oder damit, wie sich die Familie über die Jahre verändert hat.
Sag Oma oder Opa, warum du das Gespräch aufnehmen möchtest und wer es hören wird. Lass sie selbst entscheiden, ob es für sie in Ordnung ist.
Wenn sie einen Teil des Gesprächs stoppen oder löschen möchten, respektier das. Vielleicht darf die Familie eine Geschichte gern hören, eine andere behalten sie lieber für sich. In professionellen Leitfäden für Zeitzeugengespräche gehören die Zustimmung der erzählenden Person und ihre Kontrolle über heikle Themen fest dazu. Oral History Association
Wenn sie einverstanden sind, leg das Handy in die Nähe und schenk ihnen wieder deine Aufmerksamkeit. Du musst nicht das ganze Gespräch über auf den Bildschirm schauen.
Bitte sie, die Zimmer zu beschreiben, wer dort gewohnt hat und was man aus den Fenstern sehen konnte.
Aus ganz normalen Tagen werden oft bessere Geschichten als aus großen Ereignissen.
Frag, wo sie gespielt haben, wer mitgemacht hat und ob die Erwachsenen es erlaubt haben.
Vielleicht erfährst du so von Geschwistern, Nachbarn oder Schulfreunden, von denen du noch nie gehört hast.
Wenn die Antwort kurz ausfällt, frag nach der Lieblingslehrerin oder dem Lieblingslehrer, dem Schulweg oder dem Ärger, den die Kinder bekommen haben.
Frag, wer zu Hause gekocht hat und was es an Geburtstagen oder sonntags gab.
Das kann ein Fahrrad sein, ein Mantel, ein Buch, ein Fußball oder etwas, worauf sie gespart haben.
Lass ihnen die Wahl, diese Frage auszulassen, wenn sie ihnen zu persönlich ist.
Von früheren Verwandten kennt man oft die Namen und Berufe, weiß aber wenig darüber, wie sie als Menschen waren.
Frag, was sie zusammen gemacht haben und was die beiden so verbunden hat.
Sie hat vielleicht mit Weihnachten zu tun, mit Geburtstagen, Essen, Religion oder einer Reise, die jedes Jahr anstand.
Frag dann nach, was diese Person so besonders gemacht hat.
Bei dieser Frage kommen oft umstrittene Einzelheiten und verschiedene Fassungen ans Licht.
Vielleicht kennen Oma oder Opa Geschichten, die von Menschen stammen, die mehrere Generationen vor dir geboren wurden.
Frag, wie sie an den Job gekommen sind, was sie angezogen haben und wie der erste Tag war.
Die Antwort verrät vielleicht mehr über die Zeit damals als eine allgemeine Frage nach Geld.
Das muss nicht die Stelle sein, die sie am längsten hatten.
Lass ihnen bei dieser Frage Zeit. Vielleicht kam ihnen die Entscheidung damals gar nicht wichtig vor.
Frag, wie sie sich kennengelernt haben und was diese Person für sie getan hat.
So können sie selbst entscheiden, was als Leistung zählt.
Auch wenn du die Version der Familie kennst, frag, wie sie es in Erinnerung haben.
Der erste Eindruck passt vielleicht nicht zu dem, was später kam.
Darauf fällt die Antwort oft leichter als auf die Frage nach dem schönsten Rendezvous.
Frag, was die Freundschaft durch Arbeit, Umzüge und Familienleben getragen hat.
Lass sie entscheiden, wie viel sie über diese schwere Zeit erzählen möchten.
Lass Oma oder Opa das Foto aussuchen.
Frag nach etwas aus dem Alltag statt nach einem Urteil über die heutige Welt.
Das kann ein Mensch sein, ein Ort, eine Gewohnheit, ein Laden oder eine Art, die Zeit zu verbringen.
So erfährst du vielleicht von kleinen Abenteuern und davon, wer dieser Mensch war, bevor er für dich Oma oder Opa wurde.
So bestimmen sie selbst das letzte Thema.
Wenn aus der ersten Frage eine Geschichte von 40 Minuten wird, hat das Gespräch geklappt.
Achte auf Namen und Orte, die immer wieder vorkommen, und frag danach. Wenn sie sich korrigieren, die Reihenfolge ändern oder sich an etwas anders erinnern als ein anderer Verwandter, lass ihre Version so stehen. Erinnerung ist persönlich, und zwei Menschen können denselben Tag ganz verschieden erzählen.
Du kannst später auch jemand anderen aus der Familie nach der Geschichte fragen. Vielleicht kommt dabei eine Einzelheit heraus, die Oma oder Opa nie mitbekommen hat.
Deine Großeltern können dir erzählen, was sie erlebt haben. Andere können dir erzählen, wie es war, sie zu kennen.
Ihre Kinder erinnern sich vielleicht an die Lieder im Auto. Eine alte Freundin kennt Geschichten aus der Zeit vor der Familie. Die Enkel erinnern sich an Sprüche, Gewohnheiten und kleine Gesten, die die Person selbst nie erwähnen würde.
Gib verschiedenen Leuten je eine dieser Fragen:
Genau dafür gibt es Chorus.
Eine Person legt das Buch an und teilt einen Link mit der Familie. Alle sprechen eine Nachricht über Oma oder Opa ein und können ein Foto dazulegen. Die Stimmen und die aufgeschriebenen Geschichten kommen in ein Buch, mit einer Seite für jede Person, die mitmacht.
Im Gespräch mit Oma oder Opa bekommst du ihre Erinnerungen. Im Chorus-Buch sammeln sich die Erinnerungen aller anderen an sie.
Leg ein Chorus-Buch für Oma oder Opa an
Frag nach bestimmten Dingen statt nach dem ganzen Leben: nach dem ersten Zuhause, an das sie sich erinnern, nach einem ganz normalen Samstag, dem ersten Job, was sie sich vom ersten richtigen Lohn gekauft haben, wie sie ihren Partner oder ihre Partnerin kennengelernt haben und ob es ein Foto mit einer Geschichte gibt, die du noch nie gehört hast.
Fang mit einer Geschichte an, die sie sowieso erzählen, halt die ersten Fragen leicht, bring ein oder zwei Fotos mit, frag nach einer Geschichte statt nach einer Tatsache und lass Pausen zu. Die Einzelheiten kommen oft erst nach der ersten Antwort.
Fang mit 20 oder 30 Minuten an und schau, wie es ihnen geht. Du kannst jederzeit an einem anderen Tag weitermachen. Ein Gespräch dreht sich dann um die Kindheit, ein anderes fängt mit Fotos oder der Arbeit an.
Frag vorher. Sag ihnen, warum du es aufnehmen möchtest und wer es hören wird, und lass sie entscheiden. Wenn sie einen Teil stoppen oder löschen möchten, respektier das.
Lass ihre Version so stehen. Erinnerung ist persönlich, und zwei Menschen können denselben Tag ganz verschieden erzählen.
Die Tipps in diesem Artikel stützen sich auf: